Knall in Nier­stein: Wo sind nur die Chi­na-Fir­men?

Nier­stein liegt in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft der Skan­dal­stadt Oppen­heim, wo SPD-Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held über eine unfass­ba­re Serie von Affä­ren stol­per­te (mehr hier). In Nier­stein regiert Tho­mas Gün­ther, der sich stets der engen Freund­schaft zu Mar­cus Held rühm­te.  Unlängst ließ der sich ger­ne kra­wal­lig geben­de CDU-Mann über die Lokal­zei­tung ver­brei­ten, er habe chi­ne­si­sche Fir­men aus dem Reich der Mit­te in sei­ner Stadt ange­sie­delt, nota­ri­ell sei bereits alles unter Dach und Fach. Wir haben ver­sucht, uns das etwas genau­er anzu­schau­en. Pro­blem: Die Fir­men gibt’s nicht.

Das Büro mit der Num­mer 19 im Erd­ge­schoss des Amts­ge­richts Mainz sieht genau­so aus, wie man sich ein Archiv vor­stellt: Akten­ber­ge, wohin man schaut – in den Rega­len an den Wän­den, im Raum ver­teilt auf klei­nen Schrän­ken, auf den Schreib­ti­schen mit den Com­pu­ter-Bil­der­schir­men: Über­all lie­gen Ber­ge von Doku­men­ten-Sta­peln, ein­ge­fasst in blass-grau­grü­ne Papp­de­ckel.

Wir befin­den uns im Main­zer Regis­ter­ge­richt. Vor­ne, gleich hin­ter der Büro­tür, sitzt eine Frau, das Tür­schild weist sie als „Jus­tiz­be­schäf­tig­te“ aus, sie ist unge­mein nett und hilfs­be­reit, sie tippt uner­müd­lich die von uns genann­ten Fir­men­na­men in den Com­pu­ter ein, klickt dann auf „suchen“ – und wie­der: nichts.

Ne“, meint sie nach einem hal­ben Dut­zend erfolg­lo­ser Ver­su­che, „das wird nichts: Die Fir­men, die Sie suchen, die gibt’s gar nicht.“

Und damit haben wir jetzt ein Pro­blem: In der Zei­tung hat­ten wir gele­sen, dass chi­ne­si­sche Fir­men ante por­tas stün­den. „Das ist nota­ri­ell unter Dach und Fach“, hat­te sich der Stadt­bür­ger­meis­ter von der Lokal­zei­tung am 7. Novem­ber zitie­ren las­sen. Bereits am 28. Sep­tem­ber hat­te die Pres­se geschrie­ben: Nach Anga­ben von Tho­mas Gün­ther „han­delt es sich bei den am 22. Sep­tem­ber gegrün­de­ten Fir­men um Toch­ter­un­ter­neh­men chi­ne­si­scher Kon­zer­ne mit Sitz in Nierstein“.Das ist eigent­lich unmiss­ver­ständ­lich for­mu­liert. Doch dann krie­gen wir als Aus­kunft beim zustän­di­gen Amts­ge­richt von der net­ten Frau gesagt: nichts. Die Fir­men gibt’s gar nicht.Wir ste­cken wie­der mit­ten­drin in einer die­ser rhein­hes­si­schen Geschich­ten, in denen mäch­tig laut auf­tre­ten­de Bür­ger­meis­ter wie zu prall auf­ge­bla­se­ne Luft­bal­lons wir­ken: Sticht man rein, gibt’s ’nen Knall. Oppen­heim kennt das inzwi­schen zur Genü­ge, dort ist, um im Bild zu blei­ben, der Luft­bal­lon bereits geplatzt.

Und jetzt auch du, Nier­stein?

Nier­stein, 7800-See­len-Städt­chen im Land­kreis Mainz-Bin­gen.

Pas­sa­bler Kom­mu­nal­po­li­ti­ker mit fal­schem Par­tei­buch

In dem 8000-See­len-Städt­chen regiert seit Jahr und Tag Stadt­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gün­ther. Er fun­giert zugleich – die­se „Pro­fes­si­on“ ken­nen wir ja auch aus dem Oppen­hei­mer Rat­haus – als Beauf­trag­ter der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz, in sei­nem Fall für die „Ent­wick­lung Rhein-Selz Park, Nier­stein“, dotiert mit 600 Euro monat­lich (steu­er­lich geschickt gesplit­tet in 150 Euro steu­er­freie Ehren­amts­pau­scha­le und 450 Euro, die der Pau­schal­be­steue­rung durch die Ver­bands­ge­mein­de unter­lie­gen).

Gün­thers Stadt Nier­stein ist, das aber nur am Ran­de, eben­so wie die Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz mit einem Geschäfts­an­teil von nomi­nal 7.500 Euro an der Rhein-Selz Park Nier­stein GmbH betei­ligt. Die Gesell­schaft ist mit einem Stamm­ka­pi­tal von 30.000 Euro im Han­dels­re­gis­ter Mainz ein­ge­tra­gen (HRB 44521). Ihr Zweck ist pri­mär die „Ent­wick­lung und Ver­pach­tung des Gelän­des der ehe­ma­li­gen Kaser­ne Dex­heim, heu­ti­ger Rhein-Selz-Park Nier­stein“. Wes­halb sich die Fra­ge auf­drängt: Was kann Gün­thers Auf­ga­be als (bezahl­ter) Beauf­trag­ter für den Rhein-Selz Park sein – wo des­sen Zukunft doch sicher­lich bereits ori­gi­när im Auf­ga­ben­feld des Stadt­bür­ger­meis­ters von Nier­stein liegt? Aber naja: Der Krea­ti­vi­tät bei der Schöp­fung von Ämtern ist im Gebiet der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz bis­lang offen­bar kei­ne Gren­ze gesetzt.

Aus Sicht der roten Oppen­hei­mer ist Tho­mas Gün­ther jeden­falls ein ganz pas­sa­bler Kom­mu­nal­po­li­ti­ker mit dem fal­schen Par­tei­buch: Gün­ther ist Mit­glied der CDU. Unter den Christ­de­mo­kra­ten in der Regi­on wie­der­um gibt’s eine gan­ze Men­ge, die zwar zu einem ähn­li­chen Urteil hin­sicht­lich des Par­tei­buchs kom­men, frei­lich aus ande­rem Blick­win­kel: Gün­ther suche all­zu bemüht die Nähe zu regio­na­len SPD-Gran­den, sagen sie, und er agie­re oft­mals der­art unge­niert unter der Paten­schaft des infor­mel­len SPD-Ober­haupts Micha­el Reit­zel gegen sei­ne eige­nen Par­tei­freun­de, dass man ihn poli­tisch kaum noch bei der CDU ver­or­ten kön­ne.

Eines aller­dings beschei­ni­gen ihm selbst sei­ne hef­tigs­ten Kri­ti­ker: Als Stadt­bür­ger­meis­ter habe er für Nier­stein gut was geschafft. Die Gemein­de habe sich pro­per ent­wi­ckelt, wirt­schaft­lich und finan­zi­ell ste­he sie weit­aus bes­ser dar als das dar­ben­de Oppen­heim mit sei­nem SPD-Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held. Nier­stein, so heißt es, kön­ne mit gesun­dem Opti­mis­mus nach vor­ne schau­en.

Und jetzt die­ses Desas­ter: Zwei chi­ne­si­sche Fir­men sol­len laut dem Stadt­bür­ger­meis­ter bereits vor Wochen Nie­der­las­sun­gen in Nier­stein gegrün­det haben. Aber beim Amts­ge­richt in Mainz, wo das für Nier­stein zustän­di­ge Han­dels­re­gis­ter jede Fir­men-Neu­grün­dung und jede Errich­tung einer Nie­der­las­sung peni­bel in die­se grau­grü­nen Akten­de­ckel ein­sor­tiert, weiß man nichts davon.

Was läuft da schief? Plus­tert sich auch hier der Bür­ger­meis­ter eines klei­nen Städt­chens mit Dop­pel­funk­ti­on als Beauf­trag­ter der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz auf, um Ein­druck bei Bür­gern in der Stadt und Regi­on zu schin­den? War der Wunsch nach Beach­tung der Vater sei­ner fern­öst­li­chen Erzäh­lun­gen, mit denen ihn die Zei­tungs­re­dak­teu­re in gutes Licht rücken soll­ten?

Oder soll­ten wir, das wol­len wir nie­mals aus­schlie­ßen, bei unse­ren Recher­chen irgend­et­was über­se­hen haben?

Gehen wir der Rei­he nach alles noch ein­mal durch:

In Oppen­heim hat­te Hel­mut Kre­the, loka­ler Frem­den­ver­kehrs-Exper­te kraft Bei­ge­ord­ne­ten-Amtes, bereits vor gut andert­halb Jah­ren ver­kün­det, er wol­le Chi­ne­sen nach Oppen­heim locken. „Unser Ziel ist es, einen Fuß in den asia­ti­schen Raum zu krie­gen“, sag­te Kre­the damals. Die Zei­tung schrieb’s, natür­lich; es blieb aller­dings bei der Ansa­ge: Von einem ver­mehr­ten Auf­kom­men von Tou­ris aus dem Land des Lächelns hat man nie was gehört.

Vor gut sechs, sie­ben Wochen unter­nahm Kre­the einen neu­en Anlauf: Zusam­men mit sei­nem Rat­haus-Kol­le­gen Hans­jür­gen Bod­de­ras woll­te er nun­mehr Viet­na­me­sen in die Stadt lot­sen. Wir haben dar­über berich­tet: Zu nacht­schla­fen­der Stun­de waren die bei­den Bei­ge­ord­ne­ten in einen Zug gestie­gen und nach Ber­lin gefah­ren, wo sie den zustän­di­gen Bot­schaf­ter auf­such­ten. Noch schnell ein Foto für Face­book – und abends ging’s schon wie­der heim. Hier ver­rie­ten die Rat­haus-Poli­ti­ker der loka­len Pres­se, dass der Spaß echt güns­tig gewe­sen sei, das Spar­ti­cket habe nur 224 Euro gekos­tet.

Auf der Home­page der Stadt Oppen­heim heißt es seit­dem: „Viet­nam meets Oppen­heim“.

So ist das in Oppen­heim.

Zei­tung jubi­liert: Höchs­tes Inter­es­se in Chi­na an Nier­stein

Vom Nach­bar­ort Nier­stein aus hat­te der auch als lis­tig beschrie­be­ne Gün­ther das alles ganz stick­um beob­ach­tet, um sodann sei­nen eige­nen Plan zu ver­fol­gen: Er ließ sich von einer Chi­ne­sin, die in sei­ner Stadt ein Restau­rant betreibt, eine Rei­se in die fer­ne Volks­re­pu­blik orga­ni­sie­ren. Und flog kur­zer­hand hin – mit der Chi­ne­sin „im Gepäck“, zwei Bei­ge­ord­ne­ten aus sei­nem Rat­haus sowie, unter ande­rem, Ex-Land­rat Claus Schick, einem stram­men SPD-Mann, den Gün­ther kurz zuvor, da kennt er weder Scham noch Schmerz, zum Ehren­bür­ger von Nier­stein ernannt hat­te.

Nier­stein goes Chi­na“ titel­te die Lokal­zei­tung. Das dürf­te Gün­ther gefal­len haben, klang es doch irgend­wie nach Feld­zug, nach Erobe­rung. Zehn Tage tour­te die Trup­pe durch die Volks­re­pu­blik – und was Tho­mas Gün­ther dann erzäh­len konn­te, das stell­te die Spar­ti­cket-Zug­fah­rer aus Oppen­heim ganz tief in den Schat­ten:

Meh­re­re Unter­neh­men aus dem Reich der Mit­te haben höchs­tes Inter­es­se an Grund­stü­cken im Rhein-Selz-Park ange­mel­det oder sich schon Area­le gesi­chert“ So jubi­lier­te die Zei­tung auf der ers­ten Sei­te ihres Lokal­teils. Der für die Über­schrift vor­ge­se­he­ne Platz war zu klein, um alle guten News zu nen­nen: „Chi­ne­sen sichern sich Grund­stü­cke – Inves­tor aus dem Reich der Mit­te will in Nier­stein pri­va­te Fach­hoch­schu­le bau­en – Ers­te Ver­trä­ge“.

Die pope­li­ge Viet­na­me­sen-Akqui­se der Oppen­hei­mer in der Bun­des­haupt­stadt wirk­te neben Gün­thers Zehn-Tage-Trip wie eine bra­ve Wun­der­ker­ze neben einem gran­dio­sen Feu­er­werk aus Chi­na-Böl­lern: Da besucht ein 61-jäh­ri­ger Bür­ger­meis­ter aus einem klei­nen rhein­hes­si­schen Städt­chens zum ers­ten Mal in sei­nem Leben das Reich der Mit­te – und kommt zurück mit tol­len Fir­men, groß­ar­ti­gen Inves­ti­tio­nen und neu­en Arbeits­plät­zen.

Gün­ther, daheim nun­mehr als aus­ge­wie­se­ner Chi­na-Ken­ner unum­strit­ten, erklär­te den Lokal­jour­na­lis­ten, wie er Lage und vor allem Zukunft von Chi­ne­sen und Nier­stei­nern sehe: „Die wol­len ver­stärkt in den euro­päi­schen, den deut­schen Markt.“ Nier­stein mit der Nähe zum Frank­fur­ter Flug­ha­fen sei für die asia­ti­schen Unter­neh­mer über­aus attrak­tiv. „Vor allem aber auch, weil wir Flä­che bie­ten kön­nen.“

Frau Groß­kopf managt alles

Jetzt, nach Tagen auf­ge­reg­ter Schnapp­at­mung ange­sichts die­ses Gün­ther-Coups, fan­gen wir lang­sam wie­der an, nor­mal zu den­ken. Und wür­den ger­ne mit dem Bür­ger­meis­ter per­sön­lich dar­über reden: Wie kon­kret und sicher sind die Fir­men-Zusa­gen, wer sind die Unter­neh­men eigent­lich genau, was pla­nen sie, wie vie­le Arbeits­plät­ze sol­len ent­ste­hen…

Als wir Gün­ter an sei­nem Han­dy errei­chen, reagiert er – nun, wie besag­ter Luft­bal­lon. Ein Knall – Gün­ther fängt sofort an zu schrei­en: Er wer­de nie­mals auch nur ein Wort mit dem Autor die­ser Web­sei­te reden! Er spre­che nicht mit „bezahl­ten Jour­na­lis­ten“! Nie­mals! Er rede nur mit den Redak­teu­ren von der Lokal­zei­tung!

Als er wegen Luft­ho­lens kurz inne­hal­ten muss, kön­nen wir ihm zuru­fen: Genau dar­um gehe es doch, eben um das, was in den Zei­tun­gen stand, das hät­te uns ein wenig irri­tiert…

Unklar, ob Gün­ther das noch mit­be­kom­men hat. Er hat ein­fach auf­ge­legt.

Scha­de! Dann müs­sen wir lei­der ohne sei­ne Stel­lung­nah­me schrei­ben, was wir her­aus­ge­fun­den haben:

Die ers­te Fest­stel­lung ist nur eine Klei­nig­keit: Die Chi­ne­sin, die als „Tür­öff­ne­rin“ an Gün­thers Sei­te mit­reis­te, betreibt als „Geschäfts­füh­re­rin“ in der Gro­ßen Fischer­gas­se in Nier­stein das alte Restau­rant „Alter Vater Rhein“. Im Jahr 2015 lau­te­te eine Über­schrift in der Zei­tung: „Xin Ru Fang über­nimmt Nier­stei­ner Tra­di­ti­ons­gast­haus“.

In den aktu­el­len Berich­ten hin­ge­gen (zum Bei­spiel hier) schreibt die Zei­tung, Gün­thers Rei­se sei von Xin­ru Fang mit­or­ga­ni­siert wor­den. Xin­ru in einem Wort – jetzt end­lich kor­rekt!

Nun ist ein falsch geschrie­be­ner Vor­na­me in der Zei­tung, in der Über­schrift zumal, sicher pein­lich, aber ansons­ten natür­lich nicht wei­ter dra­ma­tisch. Uns plagt auch etwas ganz ande­res:

Im Impres­sum von der Web­sei­te ihres Restau­rants heißt Frau Fang kor­rekt Frau Groß­kopf.

Frau Fang heißt gar nicht Fang. Sie heißt Frau Groß­kopf. Xin­ru Groß­kopf – so steht’s ganz hin­ten auf der Web­sei­te ihres Restau­rants. Den Namen Xin­ru Groß­kopf fin­den wir auch im Han­dels­re­gis­ter, wo sie als Geschäfts­füh­re­rin der Fir­ma Asap Glo­bal GmbH aus­ge­wie­sen ist, die Bau­ma­schi­nen und Bau­stof­fe ver­treibt. Als Geschäfts­adres­se die­ses Unter­neh­mens ist die Gro­ße Fischer­gas­se in Nier­stein ange­ge­ben, die Haus­num­mer ist iden­tisch mit der des Restau­rants „Alter Vater Rhein“.

Und dann gibt’s unter eben die­ser Adres­se noch eine wei­te­re Fir­ma, die nennt sich BBG Ger­ma­ny GmbH und han­delt laut Han­dels­re­gis­ter mit Nah­rungs­mit­teln. Auch hier wird die Geschäfts­füh­re­rin mit Xin­ru Groß­kopf ange­ge­ben.

Das hät­ten wir Gün­ther schon ger­ne gefragt: War­um nennt er Frau Groß­kopf immer­zu Frau Fang? Sagt er Frau Fang, weil die das von ihm so ver­langt? Oder weil Fang so schön chi­ne­sisch klingt und mehr Ein­druck macht? Oder gibt’s ande­re Grün­de?

Gro­ßes Durch­ein­an­der bei den Fir­men­na­men

Ähn­lich unklar und mit­hin ver­wir­rend ver­hält es sich bei den Fir­men, deren Grün­dung nota­ri­ell längst unter Dach und Fach und deren Nier­stein-Invest nach Gün­thers Dar­stel­lung längst ver­trag­lich besie­gelt sein soll:

Die „All­ge­mei­ne Zei­tung Lands­kro­ne“ gab den Namen der ers­ten Fir­ma am 28. Sep­tem­ber 2017 mit „Ger­ma­ny Hong GmbH“ an; am 7. Novem­ber 2017 dage­gen schreibt sie von einem Unter­neh­men namens „Ger­man Hong GmbH“.

Mal mit, mal ohne „y“: Das ist natür­lich kei­ne gro­ße Sache. Das Pro­blem, das sich auf­tut: Die net­te Dame beim Han­dels­re­gis­ter hat bei­de Namen gecheckt – eine Fir­ma mit einem die­ser Namen ist nicht exis­tent.

Die zwei­te Fir­ma wird in der „All­ge­mei­nen Zei­tung Lands­kro­ne“ zuerst „Ger­ma­ny Emo­ti­on Techo­no­lo­gy GmbH“ genannt. Dann – glei­che Zei­tung, neu­er Tag, ande­rer Arti­kel – heißt das Unter­neh­men plötz­lich „Ger­man Moti­on Elec­tro­nic GmbH“. Die Unter­schie­de sind jetzt gra­vie­rend, die net­te Dame im Regis­ter­ge­richt tippt jeden Namen ein, kann am Ende aber auch nicht wei­ter­hel­fen: Auf kei­nem die­ser Namen lässt sich eine Fir­ma zuord­nen.

Voll­ends ver­wir­rend wird es, wenn wir in die „Loka­le Zei­tung“ schau­en, die in der Medi­en Ver­lag Rei­ser GmbH in Mainz-Gon­sen­heim erscheint: Die berich­tet von zwei Fir­men, „die vor acht Wochen eine Zweit­nie­der­las­sung in Nier­stein gegrün­det haben“ – hier hei­ßen sie „Ger­man Moti­on Elec­tro­nic Group“ und der „Ger­man Hong Group“. „Group“ klingt natür­lich ein wenig welt­läu­fi­ger als „Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung“, hilft uns bei der Wahr­heits­su­che aber auch nicht rich­tig wei­ter.

Und nun? In der Zei­tung konn­ten wir am 28. Sep­tem­ber lesen: „Wie Nier­steins Stadt­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gün­ther berich­te­te, han­delt es sich bei den am 22. Sep­tem­ber gegrün­de­ten Fir­men um Toch­ter­un­ter­neh­men chi­ne­si­scher Kon­zer­ne mit Sitz in Nier­stein.“ Da kann was nicht stim­men: Fir­men (zumal GmbHs) wer­den bei einem Notar gegrün­det – und der schickt die Daten umge­hend übers Inter­net ans Han­dels­re­gis­ter. Wenn die Fir­men in Nier­stein ansäs­sig sein soll­ten (selbst wenn dort nur Nie­der­las­sun­gen errich­tet wären und der jewei­li­ge Fir­men­sitz andern­orts wäre), müss­ten ihre Daten beim Amts­ge­richt in Mainz lie­gen. Das tun sie nicht.

Die net­te Dame im Regis­ter­ge­richt hat übri­gens in ihrem Com­pu­ter auch deutsch­land­weit nach den Fir­men gefahn­det: Fehl­an­zei­ge aller­or­ten!

Da nimmt sich kaum ver­wun­der­lich aus, was uns zuletzt an die­sem 15. Novem­ber aus dem Bau­amt der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz zuge­tra­gen wird: Irgend­wel­che Grund­stücks­kauf­ver­trä­ge mit chi­ne­si­schen Inves­to­ren im Rhein-Selz Park sind der Ver­bands­ge­mein­de bis dato nicht vor­ge­legt wor­den. Das müss­ten sie aber, weil dort zwin­gend über die Aus­übung gemeind­li­cher Vor­kaufs­rech­te zu ent­schei­den wäre.

Was hat uns der Tho­mas Gün­ther da nur erzählt?

Viel­leicht wird alles ein biss­chen viel für ihn. Ange­sichts sei­ner voll­mun­di­gen Ver­spre­chun­gen blü­hen­der Land­schaf­ten in der trist-öden Wala­chei des frü­he­ren Army-Are­als am Ran­de Nier­steins wird dem einen und ande­ren Bür­ger des Städt­chens längst schwin­de­lig:

Beein­dru­ckend, was im Rhein-Selz-Park alles ange­sie­delt wer­den soll­te und soll. Chi­ne­si­sche Ver­triebs­or­ga­ni­sa­tio­nen, eine pri­va­te chi­ne­si­sche Fach­hoch­schu­le, eine Sau­na­land­schaft mit Hotel, ein Trai­nings­ge­län­de für Sicher­heits­kräf­te, ein Auto­hof, Gewer­be, ein Grün­der­zen­trum…“

So schrieb die­ser Tage ein Leser­brief­schrei­ber, es klang bang und besorgt:„Gibt es, außer Ide­en und Hoff­nun­gen, Wunsch­vor­stel­lun­gen und Zufäl­lig­kei­ten, auch sub­stan­zi­el­le Stra­te­gi­en und kon­kre­te Plä­ne für die Ent­wick­lung des Rhein-Selz-Parks? Ganz zu schwei­gen von Trans­pa­renz und Bür­ger­be­tei­li­gung.”

Mit die­sem Film wird im Inter­net für einen Feri­en­park gewor­ben, der auf dem Gelän­de der frü­he­ren US-Kaser­ne in Nier­stein ent­ste­hen soll – für Kuwai­tis.

Und dabei hat der Mann noch gar nicht alles genannt. Es ist ja auch noch ein Feri­en­park für Kuwai­tis geplant – mit hun­der­ten Appar­te­ments, mit Schwimm­bä­dern, Spiel- und Sport­stät­ten, Shops und Restau­rants… Die leuch­ten­de Zukunft Nier­steins ist in einem You­tube-Film, der Anle­ger locken soll, längst vor­ge­zeich­net.

Schö­nes Woh­nen am Ran­de von Nier­stein, vie­le neue Fir­men, Mil­lio­nen-Inves­ti­tio­nen, alles angeb­lich in Pla­nung, und oben­drein soll’s noch eine gigan­ti­sche Off­road-Bahn geben, die das beschau­li­che Wein­bau­ge­biet, glaubt man den Befürch­tun­gen der Anwoh­nern, in eine lär­men­de Höl­le ver­wan­deln wird…

Glaubt man Tho­mas Gün­ther: Alles kein Pro­blem in die­sem klei­nen 8000-See­len-Städt­chen.

Wirk­lich nicht?

Erschie­nen am 15. Novem­ber 2017 auf www.der-oppenheim-skandal.de

(Visi­ted 23 times, 1 visits today)