Der Anwalt

Erfolg auf gan­zer Linie: Der Kri­mi­nal­be­am­te Jochen Zahn wur­de in sei­nen Ver­fah­ren von dem Frank­fur­ter Rechts­an­walt Harald F. Nol­te ver­tre­ten. Wer ist die­ser Jurist, vor dem das Land zit­tert?

Frank­furt. Er war mal selbst Poli­zist. In den 70er Jah­ren. Da fuhr er Strei­fe und ermit­tel­te in Raub- und Tötungs­de­lik­ten, sie­ben Jah­re lang. Dann stieg er aus, begann ein Jura-Stu­di­um. Anfang der 80er grün­de­te er sei­ne eige­ne Kanz­lei – der Grund­stein für sei­nen Auf­stieg zum aner­kann­ten Spe­zia­lis­ten für beam­ten­recht­li­che Pro­blem­fäl­le war gelegt.

Harald F. Nol­te (61), ver­hei­ra­tet, zwei Söh­ne, zwei Enkel – das ist der Rechts­an­walt, der den Beam­ten Jochen Zahn erfolg­reich im Schmer­zens­geld­pro­zess ver­tritt, der zugleich das Land Hes­sen seit Jahr und Tag auf Trab hält. Er lebt in Sach­sen­hau­sen, von wo aus er täg­lich über den Eiser­nen Steg in sei­ne Kanz­lei spa­ziert. Die liegt best­mög­lich, zwi­schen Dom und Römer.

Man­che sagen, die­ser stets freund­lich-ver­bind­li­che Jurist mit dem grau­en Drei­ta­ge­bart habe die größ­ten Poli­zei­skan­da­le in Hes­sen der letz­ten Jah­re auf­ge­deckt – durch eben­so beharr­lich-inten­si­ves Akten­stu­di­um wie pro­fun­des Rechts­wis­sen.

Jetzt hat er zudem Rechts­ge­schich­te geschrie­ben. 8000 Euro Schmer­zens­geld für einen Poli­zei­be­am­ten, der von sei­nen Vor­ge­setz­ten stig­ma­ti­siert wur­de – „das gab’s mei­nes Wis­sens noch nie in Hes­sen“, sagt Nol­te. Klar, er hät­te sich ger­ne eine etwas höhe­re Zah­lung gewünscht – aber wich­ti­ger als das Geld sei ihm alle­mal, „dass wir zwei wesent­li­che Zie­le erreicht haben: die voll­stän­di­ge Reha­bi­li­tie­rung mei­nes Man­dan­ten, die durch Zah­lung eines Schmer­zens­gel­des doku­men­tiert wird. Und ein deut­li­ches Signal an die Poli­zei­füh­rung, dass man künf­tig zurück­hal­ten­der ist bei per­sön­li­chen Angrif­fen und vor­ei­li­gen Schluss­fol­ge­run­gen“.

Das aktu­el­le Urteil ver­drängt ein wenig, dass Nol­te kurz zuvor in einem ande­ren Rechts­streit nicht unmaß­geb­lich – aller­dings wohl auch nicht direkt beab­sich­tigt – in die poli­ti­schen Abläu­fe die­ses Lan­des ein­ge­grif­fen hat:

Einer sei­ner Man­dan­ten heißt näm­lich Wolf­ram Rit­ter. Der stell­ver­tre­ten­de Prä­si­dent der Bereit­schafts­po­li­zei war bei der Beset­zung des Prä­si­den­ten­amts vom dama­li­gen Innen­mi­nis­ter Vol­ker Bouf­fier angeb­lich über­gan­gen wor­den. Das führ­te zur Ein­set­zung eines par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­aus­schus­ses. Letz­ten Monat beschlos­sen SPD und Grü­ne auch noch, vor den Staats­ge­richts­hof zu zie­hen: CDU und FDP hät­ten im Aus­schuss die Min­der­hei­ten­rech­te der Oppo­si­ti­on ver­letzt.

Poli­ti­scher Thea­ter­don­ner. Nol­te arbei­tet der­weil an sei­nem nächs­ten Coup: Im Fall Rit­ter berei­tet er eine Kla­ge vor – wie­der gegen das Land Hes­sen.

Und dann sind da noch die Steu­er­fahn­der. Zwangs­pen­sio­niert, auf­grund nach­weis­lich fal­scher psych­ia­tri­scher Gut­ach­ten aus dem Amt gedrängt – jetzt soll das Land Hes­sen dafür büßen. Mit Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld. Die Kla­ge kommt, natür­lich, wie­der aus der Frank­fur­ter Kanz­lei Nol­te…

 

(Visi­ted 135 times, 1 visits today)