50.000 Euro für einen Poli­zei­be­am­ten

Das ist bit­ter für Minis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier: Das Land Hes­sen muss einem frü­he­ren Poli­zei­be­am­ten 50.000 Euro zah­len. Es ist Scha­dens­er­satz, weil sich Bouf­fier als Innen­mi­nis­ter „grob rechts­wid­rig“ ver­hal­ten hat­te.

Frank­furt. Erneut muss das Land Hes­sen einem Poli­zei­be­am­ten eine hohe Ent­schä­di­gung zah­len. Hin­ter­grund ist „grob rechts­wid­ri­ges“ Ver­hal­ten von Minis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier (CDU): Als Innen­mi­nis­ter hat­te er im Jah­re 2009 einen Beam­ten vor­sätz­lich und gegen gel­ten­des Recht bei einer Beför­de­rung über­gan­gen. Der Mann klag­te vor Gericht; jetzt – nach fast sechs Jah­ren – wur­de ein Ver­gleich geschlos­sen: Das Land Hes­sen zahlt dem Beam­ten, der längst in Ruhe­stand ist, 50.000 Euro als Ent­schä­di­gung.

Der Fall: Vol­ker Bouf­fier, damals noch hes­si­scher Innen­mi­nis­ter, woll­te sei­nen Par­tei­freund Hans Lan­ge­cker zum Chef der Bereit­schafts­po­li­zei beför­dern. Deren Vize­prä­si­dent Wolf­ram Rit­ter jedoch bewarb sich eben­falls um den Pos­ten; Fol­ge: In einem Aus­wahl­ver­fah­ren muss­te der bes­se­re Kan­di­dat ermit­telt wer­den.

Lan­ge­cker gewann, Rit­ter klag­te dage­gen, ver­lor in ers­ter Instanz, bekam aber in zwei­ter umfas­send recht: Das Aus­wahl­ver­fah­ren, so stell­ten die Rich­ter damals fest, sei stark feh­ler­be­haf­tet gewe­sen, es müs­se wie­der­holt wer­den. Aber noch bevor es dazu kam, setz­te Bouf­fier sei­nen Kan­di­da­ten Lan­ge­cker auf den Prä­si­den­ten­stuhl und schuf damit unwi­der­ruf­li­che Fak­ten, was die Rich­ter unmiss­ver­ständ­lich kom­men­tier­ten: Das sei „grob recht­wid­rig“.

Die FNP deck­te den Skan­dal auf: Der Bericht „Bouf­fiers Freund­schafts­diens­te“ vom 8. März 2010 in die­se Zei­tung schlug im beschau­li­chen Wies­ba­de­ner Land­tags­le­ben – wo damals die CDU noch mit der FDP regier­te – wie eine Bom­be ein. Ein Unter­su­chungs­aus­schuss  „Poli­zei­chef-Affä­re“ wur­de ein­ge­setzt, der mehr als zwei Jah­re lang tag­te. Am Ende woll­ten SPD und Grü­ne her­aus­ge­fun­den haben, dass es in dem Aus­wahl­ver­fah­ren „zum Teil schwer­wie­gen­de Ver­fah­rens­feh­ler und Rechts­ver­stö­ße“ gege­ben habe. Ein­ver­nehm­lich for­der­ten SPD und die damals noch kri­ti­schen Grü­nen (die heu­te mit der CDU die Lan­des­re­gie­rung stel­len) Vol­ker Bouf­fier zum Rück­tritt auf.

Die CDU und FDP hin­ge­gen woll­ten im Ver­lauf des Unter­su­chungs­au­schus­ses erkannt haben, dass „die Stel­le in einem recht­mä­ßi­gen Ver­fah­ren mit dem am bes­ten geeig­ne­ten Bewer­ber besetzt wor­den“ sei.

Die FNP schrieb damals, der Aus­schuss habe nicht alle Hin­ter­grün­de klä­ren kön­nen. Aber  er habe „den Ver­dacht erhär­tet, dass es füh­ren­de Per­sön­lich­kei­ten die­ses Lan­des, mil­de for­mu­liert, mit der Wahr­heit nicht immer all­zu genau neh­men“. Wider­spruch wur­de nicht erho­ben.

Unter­des­sen reich­te Wolf­ram Rit­ter Kla­ge vorm Land­ge­richt Wies­ba­den ein: Er ver­lang­te Scha­dens­er­satz für die „feh­ler­haf­te Nicht­be­rück­sich­ti­gung bei einer Beför­de­rung“. Jah­re­lang zog sich das Ver­fah­ren hin, vor weni­gen Wochen emp­fahl der Rich­ter bei­den Par­tei­en, zu einem Ver­gleich zu fin­den. Im letz­ten Augen­blick mel­de­te sich die Staats­kanz­lei von Minis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier: Sie ver­lang­te, dass der Klä­ger – also Wolf­ram Rit­ter – sich zu Still­schwei­gen über den Ver­gleich ver­pflich­ten müs­se.

Das wur­de jetzt von bei­den Sei­ten unter­schrie­ben. Damit sind 50.000 Euro an Wolf­ram Rit­ter fäl­lig. Es ist das zwei­te Mal, dass das Land Hes­sen für Fehl­ver­hal­ten in der obers­ten Poli­zei­füh­rung zah­len muss:  2011 bekam der Frank­fur­ter Ex-Fahn­dungs­chef Jochen Zahn 8.000 Euro Schmer­zens­geld zuge­spro­chen.

Anwalt in bei­den Fäl­len: der Frank­fur­ter Spe­zia­list für Amts­haf­tungs­fäl­le, Harald F. Nol­te. Zum 50.000-Euro-Vergleich im Fall Wolf­ram Rit­ter sag­te er ges­tern: „Ich bewer­te den Ver­gleich als aus­rei­chen­de Genug­tu­ung für mei­nen Man­dan­ten und als voll­stän­di­ge Reha­bi­li­ta­ti­on für sei­ne nicht erfolg­te Beför­de­rung zum Poli­zei­prä­si­den­ten.“

Erschie­nen in der FNP am 15.07.2015

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